22.03.2012 Felicitas Hoppe zu Gast in Emmerthal

Fast eine vertraute Atmosphäre

Emmerthal (sto). Auf den ersten Blick war es ein ganz normaler Leseabend – die Autorin saß an einem kleinen Tisch, hielt das aufgeschlagene Buch in den Händen und las Passagen daraus vor. Die Zuhörer lauschten andächtig. Trotzdem war es irgendwie anders und viel vertrauter als sonst bei Lesungen. Warum, stellte sich in der Pause heraus. Die Schriftstellerin wurde von den meisten der etwa 70 Besucher herzlich in die Arme geschlossen und wie ein Familienmitglied begrüßt, das nach längerer Abwesenheit nach Hause zurückgekehrt war.

Was auch zutraf. Felicitas Hoppe nämlich war aus Berlin in ihre Heimat gekommen – zwar nicht in ihren Geburtsort Hameln direkt, aber immerhin nach Emmerthal, wo sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Zeit für Kultur in Emmerthal“ aus ihrem kürzlich auf der Leipziger Buchmesse vorgestellten Roman „Hoppe“ vorlas und sich mit ihren Eltern Hedwig und Magnus Hoppe, Freunden sowie Bekannten, ehemaligen Vikilu-Schulkameradinnen ins Gespräch vertiefte. Auch Gerda Kern gehörte zu der geselligen Runde der Weserbergland-Premiere. „Felicitas kenne ich schon lange, denn Hoppes und wir waren einst Nachbarn im Jägerpfad Hameln“, erzählte die Seniorin, während sie sich von der Autorin das neue Buch signieren ließ.

Felicitas Hoppes neues Werk ist eine surrealistische Biografie, in der sie ihr Leben beschreibt, wie es hätte sein können, wenn es nicht so wäre, wie es ist. „Beim Schreiben habe ich gemerkt, dass mein reales Leben das schönere ist“, gab die Autorin zu. Sie rate jedem, auch dem, der mit Schreiben eigentlich nichts im Sinn habe, alle zehn Jahre eine Biografie zu schreiben. Das sei ein guter Weg, sich selbst kennenzulernen.

Schreiben ist für die mit dem Rattenfänger-Literaturpreis und vielen anderen Preisen ausgezeichnete Schriftstellerin nichts Besonderes. „Bei uns in der Familie haben alle geschrieben. Auch meine vier Geschwister. Das war normal bei uns“, berichtete sie dem Publikum. Angefangen zu schreiben habe sie mit sieben Jahren. Ihr erstes Buch sei ein Zirkusroman gewesen, den sie als Schülerin der sechsten Klasse im Unterricht vorlesen durfte. „Immer freitags in der letzten Stunde“, erinnerte sich die 51-Jährige, die bei der Lesung in Emmerthal von Sophie von Heppe, einer Mitarbeiterin des S. Fischerbuchverlages, begleitet wurde.

Felicitas Hoppe schätzt die osteuropäische, besonders die russische Literatur. Sie mag Märchen und Geschichten, die von Rittern und vom Mittelalter handeln. Ihr Lieblingsbuch, das sie seit ihrer Kindheit begleitet, ist „Pinocchio“. „Es ist ein zeitloses Buch mit tiefem Inhalt, der mit den eigenen Lebensjahren immer mehr an Bedeutung gewinnt“, meinte sie.

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