01.10.2012 Hannes Wader

"Heute hier, morgen dort" und nun "Nah dran" in Emmerthal

Von Daniel Falkner

Emmerthal. Ein Rollator steht vor der Bühne, gleich neben den Zierkürbissen, die als Dekoration den Raum schmücken. Viele Köpfe im Saal der Emmerthaler Kultur(n)halle sind bereits enthaart. Die Besucher des Hannes-Wader-Konzertes sind mit ihrem Idol zusammen gealtert. „Alte-Männer-Musik“, schmunzelt ein Fan im Foyer und strahlt übers ganze Gesicht, auch wenn viele Frauen mit im Saal sind. Doch all das sagt nichts über die Begeisterungsfähigkeit des Publikums aus. Die Fans lauschen intensiv den alten und neuen Versen von Hannes Wader, summen mit, wippen mit den Füßen im Takt und applaudieren enthusiastisch.

 Wader selbst wirkt dagegen ein wenig steif und distanziert. Eigentlich scheue er die Bühne, sagt er. Sein Kollege und Freund Konstantin Wecker, mit dem er vor kurzem noch getourt habe, der gehöre auf die Bühne. Aber all das stört seine Fans nicht. Sie hängen an seinen Lippen, als er sein altbekanntes Lied „Heute hier, morgen dort“ singt. Doch viele der alten bekannten Lieder singt Wader bei diesem Konzert nicht. Vor fünf Wochen ist seine neue CD „Nah dran“ auf den Markt gekommen. Zu seinem 70. Geburtstag habe die Plattenfirma ihn aufgefordert, ein neues Album herauszubringen. Die zwölf Lieder erzählen von Erinnerungen an die Kindheit („Der Drache“) von einem Kirschbaum im Garten eines Freundes („Alter Freund“) oder von vergangenen Tagen („Die welken Blätter“). Wader wirkt lyrischer als früher, weniger politisch. Seine Ablehnung gegen Nazis bringt er aber nach wie vor überzeugend rüber und wird dafür von seinem Publikum mit viel Applaus und Bravo-Rufen belohnt. Er erzählt von dem alten jüdischen Kommunisten Peter Gingold, der im Pariser Exil sich der deutschen Sektion der Résistance angeschlossen hat („Boulevard St. Martin“). Auch Sozialismus ist für Wader immer noch ein Thema, selbst wenn er selbstkritisch resümiert: Wenn es der alte wieder werde, dann nutze er nichts – „trotzalledem“.

 An alte Stärke seiner Geschichten reicht Wader dann aber in dem „Lied vom Tod“. 26 Verse habe das Lied bereits und ihm falle immer noch eine weitere Strophe ein, erklärt Wader. Mit Spott und Hohn frotzelt er: „Habe mich auch bei Al Quaida beworben als Selbstmordattentäter, aber die stellen keinen über 55 ein“. Der Tod kann mich mal, sagt er, es mache Freude, mit dem Entsetzen Spott zu treiben. Hannes Wader zeigt, dass er immer noch kann, auch mit 70 Jahren, auch nach der Ehrung für sein Lebenswerk in diesem Jahr. Nachdem das letzte Album sechs Jahre hat auf sich warten lassen, ist er jetzt bereits dabei, neue Lieder zu schreiben. Sein Freund Konstantin Wecker nannte ihn einen Volkssänger, dem man vertrauen könne. Das Publikum in Emmerthal hat da wohl keine Zweifel, dankt ihm mit stehenden Ovationen – und bekommt am Ende noch drei Zugaben und Autogramme auf Plakate, Fotos und das neue Album. Bis zum nächsten Mal in Emmerthal, sagt Wader und geht von der Bühne.

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