14.07.2012 Börry goes Nashville

Heisse Sohlen nicht nur auf dem Parkett

Börry (mo). Es ist fast ein Bild wie aus dem amerikanischen Westen: Rauch steigt aus einem Grill in den abendlichen Himmel über dem Ilsetal. Der Duft von gegrillten Spare Rips schafft das Flair eines amerikanischen Barbecues. Harte Kerle in schweren, vorn spitz zulaufenden Lederstiefeln und wadenlangen Reitermänteln schlendern lässig über das Gelände. Staub jedoch wirbelt nicht auf, dazu ist es zu feucht. Unter den breiten Krempen ihrer tief herunter gezogenen Cowboyhüte sind die markanten Gesichtszüge ganzer Männer mit ihren unverzichtbaren Dreitagebärten zu erkennen. Doch ihre Augen leuchten, denn von der Bühne erklingt die Musik ihrer bevorzugten Musikrichtung – Country-Musik. „Börry goes Nashville!“ Das Museum für Landtechnik und Landarbeit ist Schauplatz des Emmerthaler Country-Festivals und sorgt mit seinem stilvollen Ambiente für ein passendes Umfeld. Gut 400 Zuhörer sind gekommen, auch in Zivil. Zu Pferd kam zwar niemand angeritten, dafür säumt eine schier endlos erscheinende Schlange von „Kraft“-Droschken die „Frenke-Road“. Statt Brandzeichen an der Hinterhand der Pferde zeugen Kfz-Kennzeichen wie „LWL“, „SO“ und „Mi“ von doch weiten Anreisen einiger Country-Enthusiasten.

Kürzer ist der Anfahrweg für den Lokalmatador Gunnar Wiegand. Er kommt aus dem Nachbardorf Esperde. Wie schon im letzten Jahr bei der „Nordischen Nacht“ eröffnet Wiegand den Abend mit seinem Repertoire aus Folk- und Countrysongs. Ein schwerer Stand für den Emmerthaler, denn noch laben sich die Westernfans an Pulled Pork, Beef Brisket oder einem „Longhorn“, einer Kartoffelbratwurst. Langsam bricht das Eis, rhythmisches Klatschen setzt ein und erste Linedance Schritte sorgen für Bewegung vor der Bühne. Dann schallt eine markige Bassbariton-Stimme über das Museumsgelände, unverkennbar wie die von Johnny Cash. Authentisch interpretiert „Castor“ die kritischen und unkonventionellen Songs der Country-Legende. Kein Wunder, dass der Berliner 2009 den ersten Platz bei der Country Musik Trophy belegen konnte.

„Gut hier, ein super Ambiente. Dass es so eine Location überhaupt gibt, finde ich richtig geil“, zeigt sich der Musiker beeindruckt. Ebenso wie einige „Cowboys“ aus der anderen Ecke des Hameln-Pyrmonter Kreises. Eine Gruppe Fuhlener um Stadtratsmitglied Kai-Uwe Eggers ist zum Konzert gekommen – Zukunftsdorf trifft Zukunftsdorf. „Wir Fuhlener sind hier, weil wir sehr an Countrymusik interessiert sind, aber auch, um uns einen Eindruck von Börry zu verschaffen“, sagt Eggers. Dass die Fuhlener ihren Barkeeper, Walter Bücher, mitgenommen haben, bleibt zu Hause ohne Folgen. Das Wirtshaus im Dorf an der Weser hat auch ohne ihn geöffnet. Den Gästen aus dem Hessisch Oldendorfer Ortsteil gefällt es im Emmerthaler Dörfchen Börry. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich das Catering für dieses Festival mit nur einer Flasche Bourbon für alle Gäste im Angebot verpokert hat.

Sie sind mehr wert als die sieben Dollar pro Woche, wie es ihr Bandname vermuten lässt. „Seven bucks a week“ sorgen als Topact schon mit ihren ersten Takten für wippende Füße und schaukelnde Hüften. Martin Weber (Bass), Ralf Reck (Gitarre), Thomas „Jerry“ Seidel (Dobro-Gitarre), Thomas Schmiedinghoff (Gesang und Akustikgitarre) sowie Udo Teichert (Drums) spielen die Art von Countrymusik, die sie auch angekündigt haben, die abseits vom Mainstream-Country. Mal ein wenig ins Operettenhafte gehend, mal rockig, Überraschungen haben die fünf Musiker immer im Gepäck. Höhepunkte des Emmerthaler Konzertes sind sicherlich „Alabama high-test“, „Save a horse, ride a cowboy“, „Walk this way“ und „The running kind“. Musikalisch sind sie topp, aber an der etwas statisch wirkenden Bühnenshow dürfen sie noch arbeiten. „Schon beeindruckend ihre Show, dafür dass das alles Hobbymusiker sind“, ist Emmerthals Kuturbeauftragte Andrea Gerstenberger mehr als zufrieden mit der Verpflichtung von „7baw“. Ob sich die Besucher mit dem Salär von „Sieben Dollar die Woche“ beschäftigt haben, sei dahingestellt. Wünschen werden sie sich „Ein Open Air im Museum pro Jahr“ allemal.

 

smaller
original
bigger

Allersheimer

 

Stadtwerke_Weserbergland