22.08.2011 Nordische Nacht mit Godewind

Godewind bringt frische Brise nach Börry

„De Sommer üss al hüüt“: 600 Besucher bei Open-Air-Premiere auf dem Museumsgelände

Von Frank Neitz

Börry. „Morgen ward dat Sommer.“ Knapp daneben, Godewind! Spätestens als die fünf Musiker aus dem flachen Land zwischen Nord- und Ostsee dieses Lied anspielen, ist allen klar: „De Sommer üss al hüüt!“ Es ist „Nordische Nacht“ im Museum für Landtechnik und Landarbeit in Börry und der Himmel über dem Ilsetal zeigt sich in den Landesfarben Schleswig Holsteins: strahlend blau, durchzogen von weißen Schäfchenwolken und einer glühend roten Sonnen bei ihrem Untergang. Den Himmel über ihrem Land, den die nordfriesische Band in ihrem Stück „Wind, Sand und Sterne“ so gern besingt, haben sie heute einmal verlassen. Walterberg, Ilseberg und Kleiner Berg heißen die Berge, die heute die Deiche ersetzen, hinter denen Godewind normalerweise sein plattdeutsches Liedgut vorträgt. „Gut, sehr gut sogar“, fühlen sich die Bandmitglieder im hiesigen Mittelgebirge. „Eigentlich so wie die Leute von hier, wenn sie bei uns an der Küste Urlaub machen“, ergänzt Sängerin Anja Bublitz. Gut fühlen sich auch die annähernd 600 Konzertbesucher bei der Open-Air-Premiere auf dem Museumsgelände. „Ein tolles Ambiente.“ „Echt schön hier zwischen den Gebäuden.“ – Lob ist schon zu hören, als Lokalmatador Gunnar Wiegand aus Esperde und die hannoversche Band „Walter, Sten & Ulli“ den musikalischen Abend inmitten der historischen Arbeitsgeräte und den Düften von nordischen kulinarischen Köstlichkeiten einläuten. Da wird aus einem Nackensteak mit Zwiebeln glatt ein „Deichläufer“, einige Hungrige probieren den „Speckendicken“, einen Pfannkuchen mit Mettwurst und Speck. Und wer noch nicht die „friesische Bohnensuppe“ kennt, wundert sich, nach der Bestellung ein mit Rosinen bestücktes alkoholisches Getränk in den Händen zu halten. Das friesische Nationalgetränk „Pharisäer“, von dem Godewind singt, ist da schon bekannter. „De geiht sofort in de Blootbahn“, erklärt Larry Evers in einem seiner lockeren Kommentare, natürlich auf „Plattdütsch“. Und die Godewind-Klänge gehen den Zuhörern offenbar nicht nur in die Ohren. Rhythmisch klatschende Hände, etliche wippende Füße und mitsingende Lippen, die Plattdeutschen Lieder kommen an in Emmerthal. „Der Winter ist weit“, „Danzen mit de Sommer“ oder „Mitternachtssonne“, die warme Jahreszeit wird oft besungen. Den größten Applaus gibt es allerdings bei den in plattdeutscher Mundart vorgetragenen Abba- und Beatles- Medleys. Dort heißt es dann „damp af“ statt „Get back“ und aus „Lady Madonna“ wird „Tante Johanna“. Wortspielereien, die nicht nur Larry Evers Spaß bringen. „Das Plattdeutsche gefällt uns sehr gut, gerade auch das nordische Platt“, erzählen Maj-Britt und Jens Meusel. Die beiden Aerzener sind Godewind-Fans und bei deren Konzerten in der Region dabei. Als gebürtige Hamburgerin hört Maj-Britt Meusel die Nordfriesen eigentlich schon immer gern. „Jetzt bin ich froh, dass sie hierher gekommen sind.“ Eine „Nordische Nacht“ passe unter so einem schönen Himmel immer, auch zwischen den umliegenden Bergen, aber die Sprache müsse halt Platt sein, ist die Meinung ihres Mannes Jens. Als beim Song „Folge deinem Traum“ eine Sternschnuppe am Himmel über Börry verglüht, mag manch einer den Wunsch geäußert haben, dass so ein tolles Event mit Godewind einmal wiederholt werden muss. Offen ist, ob Emmerthals Kulturbeauftragte Andrea Gerstenberger neben den nordischen Klängen diesen Wunsch gehört hat.

Erschienen in der Dewezet am 22.08.2011

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