09.05.2011 Grand Prix in Emmerthal

Ganz Emmerthal ist im Grand Prix Fieber

Emmerthal (fn). In der Kleinen Kultur(n)halle steigt die Fieberkurve ins Unermessliche. Eine Woche vor dem Songcontest in Düsseldorf ist ganz Emmerthal im Grand-Prix-Fieber. 200 Zuschauer – mehr als doppelt so viele hätten gern eine Karte ergattert – warten gespannt auf den großen Auftritt von zehn Newcomern der Musikszene. Doch die hat teilweise ein anderes Fieber gepackt – das Lampenfieber. Den eigenen Backstagebereich mit Namen an der Tür, Begleitung durch Security und Betreuerstab, das ist Neuland. Und dann wollen die vom Videoteam auch noch ein Statement vorm Auftritt: „Ich fand das nicht unbedingt schlimm. Ich sollte mit der Interviewerin sprechen und nicht in die Kamera. Das ist so, als ob man sich normal unterhält“, sagt Dajana Weitze nach ihrem Dreh.

Dajana teilt sich ihre Umkleide mit Monika Puls, Daniela Preine und ihrer Schwester Sarah. Trotzdem haben die vier Frauen reichlich Platz am Spiegel für den perfekten Lidstrich und letzten Griff ins Haar, bevor es auf den langen Weg hinter die Bühne geht. Nebenan beim Ensemble der Weserbühne herrscht dagegen Tohuwabohu. Dort drehen elf Grohnder die Zeit zurück und schmeißen sich in die Klamotten der 70er Jahre. Bei dem Gedränge müssen die Perücken dann schon mal auf dem Flur ausgekämmt werden. Beim Blick in die „De Heinis“-Kabine ist zu sehen, dass es bei „Dschingis Khan“ nicht nur auf der Bühne voll abgeht. Hier beginnt der Kampf des verwegenen Reitervolkes schon in der Maske am Spiegel. Dann ist sie endlich zu hören, die Eurovisions-Hymne! Jetzt muss alles sitzen, mindestens so wie der BH, der nun Detlef Köllers (Conny Froboess) gestählte Männerbrust umspannt.

Die Spannung steigt. Ralph Maten und Renate Schulten kündigen Monika Puls mit „Johnny Blue“ an. Dann entführt Daniela Preine die Zuschauer im langen Schwarzen als Katja Ebstein ins „Theater“. „Frauen-Power“ machen mit der Bucks-Fizz-Nummer „Making your mind up“ ihrem Namen alle Ehre, und dass Masse doch klasse sein kann, zeigt die perfekte Performance von elf Weserbühnen-Darstellern. Singen können sie auch, zumindest das „Sing, sang, song“ der „Les Humphries Singers“.

Lange Kleider, perfekte Stimmen, eine anfeuernde Mutter: Es ist schwer zu sagen, wer im Familienduell der Schwestern Dajana Weitze („Michelle – Wer Liebe lebt“) und Sarah Bleibaum (Safura – Drip Drop“) vorne liegt. Das Publikum, mit Fähnchen und Bannern ihrer Favoriten ausgestattet, ist inzwischen warm geworden. Zeit für Lukas Barnes, mit der Ballade „Me and my Guitar“ sein Talent zu beweisen. Der einzige Auftritt ohne Playback übrigens. Adria-Feeling pur dann beim Froboess-Lied „Zwei kleine Italiener“. „De Heinis“ punkten mit ihrer wilden Tanzeinlage von „Dschingis Khan“ bevor „W & and the glorious BBB’s“ (Abba; Waterloo) und Ulrich Watermann auf der aufblasbaren Gitarre Gummi gibt.

Die Spannung steigt, als die Ergebnisse auf der Leinwand erscheinen und es heißt „12 Punkte für …“. Siegerin der Emmerthaler Grand Prix Revival Show wird Sarah Bleibaum vor Daniela Preine und „De Heinis“. Gewonnen haben jedoch alle zehn Teilnehmer, das Publikum mit drei Stunden bester Unterhaltung und „Zeit für Kultur in Emmerthal“. Für diesen perfekten Abend reicht die Vergabe von zwölf Punkten nicht aus.

Erschienen in der Dewezet am 09.05.2011

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