14.04.2011 Grand Prix - Vorbericht

Vor dem Grand Prix steigt das Musikfieber

Emmerthal (fn). Fetzige Hüftschwünge, kreisende Armbewegungen, ausdrucksstarke Gesten und komplizierte Tanzschritte. Dazu dröhnt Musik aus den Lautsprechern. Ein Lied, immer wieder dasselbe Lied. Emmerthal im Musikfieber, Probe folgt auf Probe – zumindest bei den elf Gruppen und Einzelinterpreten, die sich für die Emmerthaler „Grand Prix Revival Show“ am 7. Mai in der Kleinen Kultur(n)halle angemeldet haben. So auch in Lüntorf. Dort wird neuerdings sonntagnachmittags aus dem Wohnzimmer von Rafael und Sabine Fricke eine große Showbühne.

Dann proben „Bucks Fizz“ ihren „Grand Prix de la Chanson d‘Eurovision“-Siegertitel „Making your mind up“ aus dem Jahre 1981. Genauer gesagt: deren Imitatoren, denn hier übt das „Edeka Neukauf Team“ für seinen ersten großen Auftritt. Elke Namislo und Barbara Schwiede-Franz, beide verkörpern zusammen mit Ute Körth und Karin Claus die vier Bandmitglieder, kennen die Atmosphäre der Kultur(n)halle aus dem Effeff. Normalerweise sorgen sie im Catering-Team für das leibliche Wohl der Gäste. Jetzt wollen die beiden einmal auf der anderen Seite der Halle sein, dort, wo die Bühne steht. „Zur Belustigung“, wie sie meinen. Der Spaß steht bei den acht Akteuren – Sabine Fricke, Sandra Lantsch, Dagmar Kühl und Alexandra Lehndorf treten als Background-Sängerinnen auf – im Vordergrund. „Der Song von Bucks Fizz hat eine flotte Melodie und hat uns angesprochen“, begründet Fricke die Titelwahl.

Einen Mitschnitt vom Originalauftritt der vier Briten konnten die Newcomer aus Emmerthal im Internet bei Youtube finden. Mit Tanzeinlagen, die aussehen, als hätte man einem Nordic Walker die Stöcke gemopst. Und bei den Zuschauern beim Grand Prix im Jahre 1981 als legendär in Erinnerung: Trugen die Sängerinnen zunächst wadenlange Röcke, standen sie plötzlich in äußerst knappen Minis auf der Bühne. Aus ihrer Maskerade, die Kostüme sind zu dreiviertel fertig, machen die heimischen Imitatoren allerdings noch ein großes Geheimnis. „Keine Chance“, sagen die Frauen. Vorher gibt es nichts zu sehen, erst wenn im Mai die Spots über der Bühne angehen und das Voll-Playback startet.

„Me and my guitar“ – dieser Titel scheint nicht nur dem Sechsten des letztjährigen Songcontests, Tom Dice, wie auf den Leib geschrieben zu sein. Mit diesem Titel geht Lukas Barnes aus Hachmühlen auf die Jagd nach den zu vergebenen „zwölf Punkten aus Emmerthal“. Ganz ohne Playback, allein mit seiner geliebten Taylor-Gitarre und seiner Stimme. Normalerweise kann der 21-Jährige kaum seine Finger von den Gitarrensaiten fernhalten, mehrmals täglich greift er zu seinem Lieblingsinstrument. Im Moment allerdings weniger. Der Schüler des Hamelner Viktoria-Luise-Gymnasiums steckt gerade mitten in den Abiturklausuren – statt zur Gitarre greift er zu den Lehrbüchern, Noten stehen sozusagen gegen Noten.

„Es ist schön, dass es so ein Kulturangebot in der Region gibt und ich mich einmal hier präsentieren kann“, freut sich der talentierte Singer-Songwriter auf seinen Auftritt. Aus seinem Outfit macht er kein Geheimnis: Jeans, Hemd, Weste und natürlich seine umgehängte Taylor.

Wahre Profis in Sachen Einstudieren von Liedern und Tänzen, allerdings mit kleinen Kindern, sind „De Heinis“. So nennen sich die fünf Mitarbeiterinnen der DRK-Kindertagesstätte Heinestraße in Hameln. Ruth Leunig, Vanessa Jäckel, Tanja Feyer, Karin Magdy, Yvonne Neumann und Jana Lichtsinn gehen als „Dschingis Khan“ ins Rennen um den Emmerthaler Grand-Prix-Sieg.

Doch einfach ist das Einproben im Erwachsenenalter dann doch nicht. „Es ist schwierig, eine Choreografie mit sechs Leuten in Einklang zu bringen. Das haben wir festgestellt. Mit Kindern ist das einfacher, die sind unbefangener. Als Erwachsener hat man mehr Hemmungen“, weiß Ruth Leunig nach vier Übungsterminen zu berichten. An der perfekten Performance von „Dschingis Khan“ ordentlich gewerkelt wird übrigens in Leunigs Werkstatt in Emmern. Nicht einfach ist es, wenn sich die Frauen als Männer verkleiden. Vielleicht erspart ja eine Nylonkappe Tanja Feyers Weg zum Friseur. Sie mimt den Glatzkopf der Gruppe. Vanessa Jäckel hat dagegen Schwierigkeiten mit den Schuhen. Hochhackige, mit weißem Kunstfell überzogene Stiefel hat sie auftreiben können, allerdings zwei Nummern zu klein. Doch für die fünf Minuten Auftritt sollten sie reichen.

„Das ist eine Veranstaltung, wie es sie im weiten Umkreis noch nie gegeben hat. Wir wissen alle noch nicht, was an diesem Abend auf uns zukommt“, blickt die Emmerthaler Kulturbeauftragte Andrea Gerstenberger voraus. Für sie ist die Veranstaltung eine logistische Herausforderung. Die vielen Mitwirkenden benötigen eigene Garderoben, lange Wege müssen koordiniert werden, ausreichend Helfer zugegen sein, Sound- und Lichttechnik sollen jedem Mitwirkenden gerecht werden. Außerdem benötigen die Organisatoren ein Computerprogramm, um die Stimmen auszuzählen. Per Beamer werden die Auszählungsergebnisse übrigens live auf die Leinwand übertragen. „Das Publikum kann mitverfolgen, wer gerade in Führung liegt“, sagt Gerstenberger und rät Interessierten, sich noch rechtzeitig Karten zu besorgen. „Wir werden mit Sicherheit ausverkauft sein.“

Erschienen in der Dewezet am 14.04.2011

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