02.06.2010 Coffeehouse Jazzband

 

Jazz in Reinkultur – am liebsten ohne Kabel und Gedöns

„Das war die Musik meiner Jugend“ / Hans-Georg Lehmkuhle spielt Banjo bei der Coffeehouse Jazzband   

Emmerthal. Seinen Platz auf der Bühne findet Hans-Georg Lehmkuhle mit seinem Banjo in der zweiten Reihe gleich neben seinem Bandkollegen Udo Apportin am Bass. Dort fühlt er sich am wohlsten, wohl auch, weil dort nicht so viel Technik bei Auftritten der „Coffeehouse Jazzband“ auf dem Boden liegt. „Heute gibt es so viel Gedöns und Kabel. Früher wurde die Musik ganz anders ausgeführt, und man musste auf sich hören“, erzählt der 69-jährige Emmerthaler. Hans-Georg Lehmkuhle spielt seit über 50 Jahren Jazzmusik. Angefangen hatte es in seiner alten Heimat, dem Ruhrgebiet. „Das war die Musik meiner Jugend“, sagt sich der pensionierte Haupt- und Realschullehrer, der selbst nie Musik unterrichtete.

Seinen ersten Auftritt hatte er als 17-Jähriger mit einer Dixie-Band vor 250 Zuhörern – „ohne Mikrofon und Verstärker“, wie er betont. Unzählige folgten. Seit 28 Jahren spielt er nun in der „Coffeehouse Jazzband“ an seinem Banjo. Hier heißt er einfach nur Hannes. Wie viele Konzerte genau, weiß der

Kirchohsener nicht. „Ich habe darüber noch nicht nachgedacht.“ Die Band schätzt nicht nur Hannes‘ Stimme („Er ist der Einzige, der ordentlich singen kann“), gefragt sind auch seine präzisen Regieanweisungen. Wenn Coffeehouse-Bandmitglied Hannes mal nicht dabei ist „schmeckt der Kaffee auch, aber anders und ist trotzdem gut zu genießen“, findet Bandleader und Posaunist Alfred Finke. Gesungen werde dann aber weniger.

Früher war Hannes’ Stimme auch in anderen Bereichen gefragt. Er war Pressesprecher der „Bürgerinitiative Umwelt- und Lebensschutz“ und jahrelang Vorsitzender des Emmerthaler Ortsverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Noch heute engagiert sich der aktive Pensionär im Kirchenvorstand der Ohsener Petri-Gemeinde und genießt es, jetzt das zu machen, was ihm auch Spaß bringt. So kann er dann mal in seiner kleinen Jazzbibliothek nachschlagen. Bis zu 50 richtungweisende Bände hat der Emmerthaler im Laufe der Jahre zusammentragen können. New Orleans, die Wiege des Jazz, hat der Musikliebhaber noch nie besucht. „Ich war noch nicht in Amerika“, sagt der Emmerthaler Jazzfan. „Nachdem ich gesehen habe, was da los ist, ist der Wunsch, dorthin zu kommen, nicht mehr die große Sehnsucht“, spricht Lehmkuhle Touristenfallen, Sturmschäden und Ölpest an. Dafür war Lehmkuhle schon zweimal in Ascona beim dortigen Jazz-Festival. „Ein kleines aber feines Fest der New Orleans Musik. Da möchte ich noch mal hin.“

Richtig ins Schwärmen gerät der Banjospieler, als er auf die Besuche bei „den alten Freunden in Torbay“, der Partnerstadt von Hameln, zu sprechen kommt. Von den Konzerten in überfüllten Pubs und ganz ohne Technik – genau das, was Hannes so liebt. „Im Pub Devon Arms war es so voll, dass ich zum Instrumentenwechsel die Tür zum Männerklo aufmachen musste. Die Gitarre lag dann im Waschbecken“, erinnert er sich.

Jetzt hatte Hannes sein Emmerthaler Heimspiel. Und ganz so eng wie im „Devon Arms“ war es beim Konzert der „Coffeehouse Jazzband“ im geräumigen Emmerthaler Kulturzentrum dann auch nicht. Vor fast ausverkauftem Haus, zur Freude des Lokalmatadors waren auch viele seiner Nachbarn anwesend, lud die Jazzband ihre Zuhörer zu einem Spaziergang durch New Orleans ein. Mit Stücken wie „Basin Street Blues“ oder „Take me back to New Orleans“ von Chris Barber entführten die sieben Jazzmusiker ihr Publikum auf die quirligen Straßen der Jazzmetropole.

Von Frank Neitz

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