12.01.2010 Meyers Meinung

Auftakt des Emmerthaler Kulturprogramms mit Jens Meyer / Insektenkunde und Hausputzlyrik

Emmerthal. Um Gottes willen nein, als „Comedian“ möchte er keinesfalls bezeichnet werden. „In meinem Programm beleidige ich schließlich niemanden“, stellt Jens Meyer mit aller Entschiedenheit fest. Recht hat er. Also, man tausche ein halbes Dutzend Mario Barths gegen einen Jens Meyer. Dessen Auftritt im achteckigen Emmerthaler Rathaussaal geriet zu einer wahren Sternstunde lokalen Kabaretts. Mit Glossen-Glanzlichtern aus „Meyers Meinung“ und seinem „poetischen Krabbelarium“ erwies sich der Dewezet-Redakteur als ebenso wortgewandter wie wortgewaltiger, witzbeseelter Wortspieler par excellence, einer, der Wahrheiten auf den Punkt und direkt in die Herzen der Zuhörer bringt.

Oft schonungslos, doch nie verletzend, immer witzig, aber nie platt. Da münden etwa seine zeit- und Fifa-kritischen Überlegungen zum Thema „WM-Brötchen“ in die Erkenntnis, dass Doping im Fußball gar nichts nütze, „das müsse besser in die Spieler“. Da verheddert sich der virtuose Wort-Slapstick des hageren Wortakrobaten in geradezu chaplinesker Weise in einer ins Philosophische mündenden Betrachtung einer aus dem Sieb geflutschten, rohrverstopfenden Nudel. „Warum immer bloß eine? Egal. Pasta!“ Das Publikum ist aufs Höchste amüsiert, juchzt vor Vergnügen und klatscht begeistert. „Wie? Schon nach zwei Versen? Warten Sie doch ab“, wundert sich Meyer und lässt ein insektenkundliches Traktat in der zartrosafarbenen Marienkäfer-Lovestory von „Siebenpunkt und Zweipunkt“ enden. Bei soviel Verbalamüsement mittendrin als Kontrapunkt unvermittelt ein Stimmungs- und Tonlagenwechsel durch ein nachdenklich-melancholisches Liebesgedicht. Die Zuhörer sind ergriffen. Auch im zweiten Teil hält Jens Meyer mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, trifft zielsicher Zwerchfell und Humornerv der Zuhörer, egal, ob mit seiner Hausputzlyrik vom Wischmopp oder kleinen kabarettistischen Reimereien im besten Heinz-Erhardt-Stil. Erheiternd und zugleich ernst Meyers Vision der Diktatur des Rotstifts beim Theater, ungeteilte Zustimmung bei seiner Betrachtung des typisch deutschen Begriffs „Fremdenzimmer“, welches wie „Asylantenheim in klein“ klinge. Mit Jens Meyers kribbligen Kabarettkrabbeleien hat das Team um die Kulturbeauftragte Andrea Gerstenberger fraglos einen Bilderbuchstart ins neue Kulturjahr hingelegt. Rundum ein Abend, an dem alles stimmte und selbst das Produkt des Hauptsponsors, Pflanzenschutz und Insektenbekämpfung, irgendwie zum unterhaltsamen Krabbelarium passte.

Erschienen in der Dewezet am 14.01.2010
Von Ernst August Wolf

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