27.10.2009 "Kulturköche kredenzen Krimimenu"

Bestseller-Autor Martin Walker liest im Rathaus Emmerthal

Emmerthal. Erleichterung und Freude waren Andrea Gerstenberger anzusehen, hatte sie doch als frischgebackene Kulturbeauftragte der Gemeinde Emmerthal zusammen mit den vier „Kulturköchen“ durch die Verpflichtung des internationalen Krimi-Bestsellerautors Martin Walker gleich mit ihrem Debüt einen Volltreffer gelandet. „Käse, Wein und eine Leiche...“, so der Titel der „kulinarischen Krimilesung“ im vollbesetzten, achteckigen Sitzungssaal des Emmerthaler Rathauses.

Walker, Jahrgang 1947, Schotte, Harvard-Absolvent, Kolumnist internationaler Blättern, lebt in Washington als Berater von Spitzenmanagern. Und ist zugleich ein höchst erfolgreicher Romanautor. „Bruno – chef de police“, so der Titel seines Romans um den 38-jährigen, liebenswerten und gut aussehenden Bruno Courrèges, der in St. Denis im südwestfranzösischen Périgord, Walkers Heimat des Herzens, ermittelt. „Das Buch ist ein Liebesbrief für Frankreich“, gesteht der sonnengebräunte Mann im schwarzen Sakko und rot-weiß kariertem Holzfällerhemd. Abwechselnd lesen er (in englischer Sprache) sowie Kulturköchin und Mediatorin Marita Kalmbach-Ließ und der Emmerthaler Bürgermeister Andreas Grossmann.

Er habe seinen Part am Nachmittag nur „zwei-, dreimal laut gelesen“, verrät der, erntet aber von Walker besonderes Lob. „Sie haben hier eine ganz speziale Mann. Bürgermeister, Politiker und Schauspieler“ Die Lesebeiträge sind voll reizvoller Gegensätze: hier der sicher und routiniert über den Text fliegende Grossmann, da die die Spannung und Dramatik des Textes genüsslich ausschöpfende, überaus stark akzentuierende Marita Kalmbach-Ließ. Walker wiederum liest mit souveränem britischem Understatement in der Stimme, lässt französisches „savoir vivre“ und eine Brise englischen Humors durchschmecken.

Insgesamt ein exzellent mundendes Krimi-Menu, eine literarische Gaumenfreude erster Klasse, die sich nicht bloß auf eine Leiche zum Dessert beschränkte, sondern in dem als reichhaltige Beilagen politische Hintergründe, kulturhistorische Appetithappen sowie brisant gewürzte „action“ serviert wurden. Dazu eine wohldosierte Mischung aus Champagner und Rosé, die das Menü mit dem Hauch einer sich zart anbahnenden Liebe geschmackvoll abrundete. Auf den Geschmack gekommen, drängten sich die Besucher in der Pause um ganz reale, teilweise sehr spezielle Käseköstlichkeiten, die der Münderaner Gourmet-Experte Patrick Couvreur im Foyer servierte.

Ein kulturelles Auftaktmenü, das nicht nur Literaturliebhabern Appetit gemacht, sondern zudem bewiesen hat, dass mit Zutaten wie Initiative, Ideen und Engagement (und finanzieller Geschmacksverstärkung durch einige Sponsoren) auch angesichts eines bei Null eingefrorenen Kulturetats statt Tiefkühlkost und Tütensuppen auch außergewöhnlich gut mundende Kulturveranstaltungen auf den Tisch gebracht werden können. Man darf sich also auf den nächsten Gang freuen.

Dewezet   Erschienen am 27. Oktober 2009
Von Ernst August Wolf

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