Welsede

 

 

Wasser auf die Mühle der Welseder


Ein Portrait von Wilfried „Fiffi“ Voss

 

Es ist und bleibt ein Abenteuer, die kleinen Dörfer in unserer Großgemeinde Emmerthal neu zu entdecken! Das gilt natürlich auch für Welsede, das Dorf an der Emmer. Wenn man dazu noch das Glück hat, einen „leibhaftigen Dorfchronisten“ zu treffen, der aus dem Bauch heraus Vergangenheit oder Gegenwart seines Dorfes schildert, ja, was will man noch mehr als „über die Lande ziehender Journalist“? Und so traf ich Friedrich Brinkmann, „en eolen plattdütschen Fründ von mek“, der sich viel Zeit nahm und mir half, sein Heimatdorf zu präsentieren.

„Ist das denn nur noch ein Schlafdorf?“, dachte ich anfangs, als ich die beiden Gasthäuser – den „Welseder Hof“ und das „Deutsche Haus“ – an der Durchgangsstraße verlassen und geschlossen vorfand. Weit gefehlt! Schon auf meinem ersten Rundgang durch das Altdorf mit den schönen Fachwerkhäusern, dem inmitten vielen Grüns gelegenen Herrenhaus der freiherrlichen Familie von Stietencron (erbaut 1882), dem romantischen Mühlengraben und der alten, ehrwürdigen Kapelle war ich wirklich beeindruckt. Von dieser „Traditionsinsel“ nimmt ein aufmerksamer Besucher auch heute noch einen besonderen Eindruck mit nach Hause.

Der Mühlengraben, die alte Emmer-Abzweigung zum Gutsgelände, lenkt das notwendige Wasser durch das Mühlenhaus. Dort steht noch das riesige Holzwasserrad, ein Überbleibsel der alten Mühle, die schon im 19. Jahrhundert abgerissen wurde. Strom wird auch heute noch durch eine mit Wasserkraft angetriebene Turbine fürs Gut erzeugt und auch ins Netz eingespeist.

Selbstverständlich hat sich im Laufe der Jahrhunderte viel verändert. Die landwirtschaftlichen Gehöfte und Bauernhöfe sind, wie vieles andere auch, inzwischen umfunktioniert. So pflanzt zum Beispiel der Landwirt Wilhelm Sievers seit vielen Jahren auf circa 20 Hektar Land Spezialkulturen an – dreijährige Tannen, die im 7. oder 10. Standjahr als Christbäume verkauft werden. Das ist nur eine von mehreren Erfolgsgeschichten aus der Welseder Landwirtschaft.

Ortswechsel. Ich stehe nun vor der kleinen Kapelle. Am 30. Juni 1670 wurde der Bau des schönen, zum Teil in Fachwerk erstellten, Gotteshauses genehmigt – mit der Einschränkung, „dass für alle Gottesdienste der Hämelschenburger Pastor zuständig sei“! Erst 1733 wurde die prächtige Barockorgel eingebaut, auf der auch gegenwärtig noch drei Konzerte im Jahr in Zusammenarbeit der Gutsfamilie mit Kreiskantor Prof. Hans Christoph Becker-Foss dargeboten werden. Das nächste Konzert ist am 3. Advent!çççZurück zu meinem Dorfexperten Friedrich Brinkmann: Wir beide sind am alten Bahnhofsgebäude und an den Resten des ehemaligen Güterbahnhofs vorbei in die Emmeraue marschiert. Die seit 1880 zuerst eingleisige Bahnstrecke Hannover–Altenbeken wurde schon um 1900 zweigleisig ausgebaut. Zurzeit brausen täglich (und des Nachts) bis zu 100 Züge – viele davon sind Güterverkehr – durch das Emmertal, meint Friedrich Brinkmann.

Sieben Quellbäche von den umliegenden Höhenzügen reichern mit ihrem sauberen Wasser die Emmer rund um Welsede an. Dazu führte mich mein Fremdenführer dann noch zu einem eindrucksvollen Biotop, dem „Höpperteich“, einem wilden, urigen Sumpfgelände, das unter Naturschutz steht.

Zwei Vereine beleben noch heute das kleine Dorf an der Emmer. Einerseits ist es die Freiwillige Feuerwehr. Ortsbrandmeister Dennis Below kann sich auf 24 Aktive und 26 Förderer verlassen. Dazu spielen 32 Musiker in der bekannten Feuerwehrkapelle, die in diesem Jahr zu ihrem Jahreskonzert am 5. November in die Sporthalle Amelgatzen einlädt. Der zweite Verein, vom den hier die Rede sein soll, ist die recht aktive Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unter der Leitung von Ramona Below mit insgesamt 58 Mitgliedern. Haus, Kranken- und Geburtstagsbesuche sowie viele andere Veranstaltungen wie Mai-Feier, Erntedankfest mit Gottesdienst werden vom DRK mitgestaltet.

Im Jahre 1939 hatte Welsede 184 Einwohner. Kurz nach dem Krieg waren es 331, 1972 sogar 362. Heute wohnen 256 Menschen im schönen Dörfchen an der Emmer. Sprachforscher Professor Udolph und auch der Hamelner Historiker Freydanck stimmen bei der Ortsnamenforschung ungefähr überein: Welsede bedeutet „Ansiedlung am quellenden Wasser“. Die älteste Urkunde (aus 1216) kündet von „Welzethe“, plattdeutsch sagt man heute noch „Welße“. Es soll früher im Gutshaus einen Pokal gegeben haben, in dem „Welße schall woll Welße blieven!“ eingraviert worden war.

Als ich mich zuletzt auf dem Verkehrsdreieck, der Abzweigung in Richtung Grohnde und Pyrmont, von Friedrich Brinkmann verabschiede, zeigt er noch einmal stolz auf die dort aufgestellte, kunstvoll gestaltete Erinnerungstafel. Sie erzählt interessante Einzelheiten über die Postgeschichte des Ortes und dokumentiert den südlichen Hellweg, der die Bistümer und Hochstifte Paderborn und Hildesheim verband. An dieser Tafel lohnt sich auf jeden Fall ein kurzer Stopp.

 

 

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