Ohr

 

 

Eine ganz besondere O(h)rtsansicht


Ein Portrait von Wilfried „Fiffi“ Voss

 

            

Welches andere Weserdorf kann schon eine gewachsene Mischung bieten wie das über 1000 Jahre alte Ohr? Historische Ausstrahlung der freiherrlichen Familie von Hake über Hannover hinaus bis hin nach England – das ist die Tradition. Solarforschungsinstitut mit Solarsiedlung sind Gegenwart und Zukunft.

Der alte Dorfkern wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg mit den verschiedenen Neubaugebieten zusammen. Dabei halfen die aktiven Vereine und kleinere Gruppen: die Freiwillige Feuerwehr (gegründet 1826), der Schützenverein (1904), der Musikverein mit seiner aktiven, jungen Blaskapelle (1982) und das Mitsorgtheater (1967) mit seinem Motto „Wir sorgen mit dafür, dass mehr gelacht wird“! Großes Vorbild der Wesermimen war und bleibt das Ohnsorgtheater oben an der Elbe.

Damit längst nicht genug: Hinzu kamen weitere Gruppierungen wie zum Beispiel die „Ohrwürmer“, die lustigen Kegler, Skat- und Doppelkopfrunden und einige kirchliche Gruppen, die alle zusammen ihren Beitrag zu einem guten Miteinander leisteten und leisten. Ohr ist ein wahrhaft lebenswertes Dorf, eines, das obendrein dem bekannten Weserlied alle Ehre macht. Denn hier macht die Weser tatsächlich einen ihrer großen Bögen und führt unterhalb des Ohrbergs zur Rattenfängerstadt.

            

Das kleine, schmucke Dorf am großen Weserbogen hat dazu noch etwas ganz besonderes zu bieten, seinen Ohrberg, diesen prächtigen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild mit seiner alljährlichen Blütenpracht, die vor allem ab Ende April bis in den Juni hinein besonders hervorsticht, wenn die zahlreichen Azaleen und Rhododendren ihren Flor so prachtvoll entwickelt haben. Dazu kommen die gewaltigen Baumriesen, die teilweise schon einige Hundert Jahre auf dem Buckel, pardon: auf der Rinde haben. Allein der Taschentuchbaum ist einen Besuch wert – im ganzen Weserbergland gibt es davon nur sehr wenige. Überhaupt besticht der Ohrbergpark mit einer Fülle an Pflanzen, die es so konzentriert hierzulande kaum zu finden gibt. Die Ruhe, die diese grüne Oase vermittelt, begeistert naturverbundene Wanderer ebenso sehr wie die Bürgerinnen und Bürger aus Ohr. Welches Dorf sonst kann sich schon glücklich schätzen, eine solche „grüne Lunge“ sein Eigen nennen zu können? Noch dazu bietet der Ohrbergpark eine herrliche Aussicht ins Wesertal bis hin zum Vogler mit seinem Ebersnacken und weit hinein ins Lipperland und natürlich hinab zur Rattenfängerstadt. Fast könnte man meinen, sie, diese weltbekannte Stadt des Rattenfängers, liege diesem Park zu Füßen…

Ja, dies Ohr hat noch einiges, das andere Dörfer nicht haben: Wir sind weltoffen! Die Kirchengemeinde gehört zu Klein Berkel, dort residiert der Pastor. Die Telefon-Vorwahl lautet 05151 und ist damit die Hamelner, obwohl Ohr politisch natürlich zu Emmerthal gehört und damit auch die Postleitzahl 31860 trägt. Das ist auch gut so, denn Ohr ist der Gemeinde Emmerthal eng verbunden und hat ihr – freiwillig – den jetzigen Bürgermeister Andreas Grossmann, der seine politische Laufbahn schließlich auf der Bühne des Ohrschen Mitsorgtheaters mit großartigen schauspielerischen Leistungen begann, überlassen…

            

Historie und Gegenwart – das steht in Ohr für Fachwerkhäuser und Solarsiedlung. Während das älteste Ohrschen Gebäude aus dem Jahr 1518 liebevoll seit Jahren restauriert wird, ist am Fuße des Ohrberges, dort wo in Sachen Solarenergie geforscht wird, eine Solarsiedlung entstanden mit modernen Häusern, die so recht ins 21. Jahrhundert passen. So besteht Ohr nunmehr aus einem Altdorf und dieser Siedlung – und das passt, nicht nur optisch, sondern auch gesellschaftlich. Gefällt es den Menschen in Ohr? Warum haben sie in Ohr gebaut? Gibt es Kontakte zwischen Altdorf und neuer Siedlung? Was halten die Einwohner von einer Grenzbegehung im Jahre 2012? – Bei einer Umfrage im Dorf schälte sich ein durchweg positives Echo heraus. Persönliche und berufliche Kontakte sind entstanden zwischen den alten und den neuen Bürgern. Zwei Teile sind zusammengewachsen zu einer guten Dorfgemeinschaft. Im Altdorf gibt es kaum Kinder, in der Solarsiedlung dafür umso mehr. Und die Kinder verstärken auch schon die Gemeinschaft in Emmerthal – zum Beispiel in der Jugendfeuerwehr Kirchohsen und auch in der Nachwuchs-Theatergruppe des Mitsorgtheaters. Mit einem Satz: Ohr lebt!

 

 

 

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