Emmern


Einige Bedenken hatte ich schon, als ich in Richtung Emmern fuhr. Kann man denn heute noch die Großgemeinde Emmerthal nach über 40 Jahren Zusammenschluss wieder in die drei Dörfer Emmern, Hagen-ohsen und Kirchohsen auseinander dividieren? Doch nach einigen Besuchen im Ort war ich überzeugt: Man kann! Was im Folgenden nachzulesen wäre…

Eingezwängt zwischen Bundesstraße 83, der Emmer und der Weser orientiert man sich natürlich nach so vielen Jahren hin zur Großgemeinde, aber es gibt doch noch viele ortstypische Eigenheiten, die überraschen und erwähnenswert sind: Immerhin ist Emmern mit seinen 1402 Einwohnern hinter Kirchohsen das zweitgrößte Dorf in Emmerthal.

Beim Ortsnamen halte ich mich wieder an den Namensforscher Prof. Dr. Jürgen Udolph: Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 784: Lat. Ambram fluvium, um 850 fluvium Embrine, 1006 Hambrina, 1183 de Embere, 1215 Emberen, 1293 de Emmeren, danach dann Emmern. Auch zu Hameln gab es Namensverbindungen zu einem Geschlecht „von Emmern“, daher stammt wahrscheinlich auch die Emmernstraße in der Kreisstadt. Emmern hatte 1939 genau 658 Einwohner, 1946 dann 1150 und heute noch 1402 Bürger. Nichts ging hier ohne den kleinen, lebendigen Fluss, die Emmer! Sie umspült auch heute noch in zwei Armen den „Risch“, eine kleine Flussinsel, deren Bewohner aber bis auf drei Anwesen (Begemann, Bormann und Hühnerbein) alle zu Kirchohsen gehören. Wie eine Pfeilspitze schieben sich diese drei Emmerschen zwischen die übermächtigen Kirchohsener Inselbewohner.

Emmerwehr         Emmern

Willi Beiße, neben Cord Hölscher Mitarbeiter an der von Friedrich Mattner begonnenen Emmerschen Chronik, die auch vielfach Kirch- und Hagenohsen mit einbezieht und in diesem Jahr veröffentlich wurde, führt mich über die Flussinsel. Auf der „Steinernen Brücke“ machte er mich auf die kleine Emmerspitze aufmerksam, wo links der seichte Emmerarm mit klarem Wasser und kleinen Fischschwärmen, der rechte „feuchte“ mit bedeutend mehr, aber sehr trübem Wasser zu sehen ist. Der Fremdenführer begleitet mich dann noch zur „echten“ Emmerspitze, wo die Emmer in die Weser fließt. Ein empfehlenswerter Spazierweg durch ein intakt gebliebenes Naturparadies – auch für die ältere Generation. Der Endpunkt des Emmer-Wanderweges ist hier auf einem großen Findling deutlich markiert.

„Mit der Gastronomie ist es heute in Emmern sehr schlecht bestellt“, meint mein Wanderführer dann, „gab es doch früher in unserm Dorf sechs Kneipen bis zur Emmerbrücke, heute keine einzige mehr!“ Zwar gibt es hier noch das Vereinsheim der TSG mit den dahinter liegenden Fußball- und Tennisplätzen, doch auch dort: kein Gastwirt mehr.

Dafür kann Emmern stolz auf sein Dorfgemein- schaftshaus. Es war das erste im Landkreis Hameln-Pyrmont und wurde schon am 17. September 1966 feierlich eingeweiht. Großzügige Räumlichkeiten für öffentliche und auch private Feten, Vereinsfeiern, Theateraufführungen sind dort vorhanden. Die Emmersche Feuerwehr hat hier ihren Ausbildungsraum und davor den Geräteraum mit Garage für ihr Einsatzfahrzeug. Ortsbrandmeister Rolf Siever meldet: „20 Aktive, darunter zwei Frauen, fünf Männer in der Altersgruppe und 124 Förderer.“ Geht doch! Natürlich hat man auch hier wie überall in den Dörfern Nachwuchssorgen. Jeden zweiten Dienstag übt die Truppe und sammelt einmal im Monat Altpapier.

Dorfgemeinschaftshaus          Feuerwehr_Emmern

Der Kinderspielkreis fühlt sich auch wohl im DGH. Leiterin Rose-Marie Scholz und Betreuerin Petra Beckmann betreuen dort 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Vor fünf Jahren gab es dort noch 40 Kinder in zwei Gruppen. Ziemlich primitiv zu Beginn verfügt der Spielkreis jetzt über vorbildliche Räume, bunt und kindgerecht sind die beiden Spielzimmer „Schwarze Katze“ und „Bunter Hahn“ eingerichtet. Leiterin Scholz konnte sich kürzlich über die 1200-Euro-Spende der Gewerbebetriebe aus dem „Industrieviertel“ freuen, ein Tombola-Erlös, überreicht von Dieter Brandau, Initiator einer Gewerbeschau mit Festmeile. Von einem vollen Programm berichtet mir auch Roswitha Iwan, die Ortsvorsitzende des DRK Emmern. Nach ihrem Motto „Miteinander Füreinander“ handeln dort die 81 aktiven Damen: Blutspendedienst, Busfahrten, Theater- und Tanzkreis, Generationen-Chor sind nur einige der vielen Aktivitäten dieses rührigen Vereins, der sich besonders auch der Seniorenbetreuung im Dorf widmet. Zum 70. und 75. Geburtstag, danach jedes Jahr, wird den Emmerschen Senioren gratuliert.

Mit 280 Mitgliedern, davon 200 aktive, ist der Reit- und Fahrverein Emmerthal der größte Verein im Ort. Schriftführerin und Voltigier-Trainerin Nadine Klünder und Julia Pöselt kümmern sich um den Nachwuchs, natürlich meistens junge Mädels. Die Mitglieder kommen aus vielen Dörfern der Gemeinde wie auch der 1. Vorsitzende, Wilhelm Bente aus Hajen. Ein Dressur- und Springturnier bis zur Klasse M wird jährlich am zweiten Wochenende im Juni durchgeführt. Daneben gibt es das beliebte Weihnachtsreiten. Auf verschiedenen Turnieren außerhalb waren viele Mitglieder erfolgreich vertreten. Alle Pferde sind im Privatbesitz.

Emmern_reiten          Emmern

Von 1996 bis 2011 kümmerte sich Wolfgang Jürgens als Ortsbürgermeister um das Wohl der Emmerschen Einwohner, beklagt aber heute auch, dass der eigentliche Dorfcharakter allmählich verschwindet, weil das Zentrum in Kirchohsen viele frühere Aktivitäten des Ortes übernommen hat. Der jetzige Ortsbürgermeister Rudolf Welzhofer bestätigt diese Entwicklung. Kirche und Schulzentrum waren Vorreiter dieser Entwicklung. „Gottseidank haben wenigstens alle drei Dörfer noch ihre eigenen Friedhöfe“, schmunzelt er.

Und noch zwei kleinere Vereine habe ich bei meinem Rundgang durch Emmern entdeckt: Die Angelfreunde Emmern werden von Klaus Goslar betreut. 30 Mitglieder weist der Verein vor, davon 20 aktive Angler. Und sie sind aktiv an einer 1,3 Kilometer langen Strecke der Emmer. „Dort setzen wir auch Bachforellen, Aale und Äschen ein und sind gleichzeitig für den Naturschutz dieser Strecke verantwortlich“, sagt Goslar.

 Auch ein anderer kleiner Verein bleibt aktiv: Der Schützenverein Emmern hat gerade erst sein Schützenhaus am Basberg in Eigenleistung auf den neuesten Stand gebracht. 50 Mitglieder schießen dort, davon 15 auch aktiv im Unterkreis V., berichtet stolz der Vorsitzende Berthold Raestrup. Es wird Kleinkaliber auf drei 50-Meter-Bahnen geschossen. Jeden Donnerstagabend treffen sich die Schützen dort oben. Im September wird jährlich ein Dorf-Pokalschießen angeboten.

Zum Schluss besuche ich noch meinen alten plattdeutschen Freund, den 88-jährigen August Brandau. Das Emmersche Urgestein sitzt inmitten seiner historischen Raritäten. Er hat laut Urteil einer Mitarbeiterin des Niedersächsischen Staatsarchivs eine einmalige historische Sammlung (Urkunden, Berichte, Bilder und andere Raritäten) zusammengetragen und archiviert. Nicht nur von Emmern, auch von Hagenohsen und Kirchohsen und speziell auch über den Bückeberg. Das alles neben seiner anstrengenden beruflichen Tätigkeit. Als stellvertretender Bürgermeister, Schulvorstand und Mitglied des Gemeinderates wurde Brandau mit dem Ehrenteller der Gemeinde ausgezeichnet. Et is doch jümmer we’er en Vergnoigen, mee öhne platt teo kören!

Ein stolzer Einwohner bringt es zuletzt auf den Punkt: „Emmern ist und bleibt die Hauptstadt Emmerthals!“ Na ja, so kann man es auch sehen.